Bisher ist unsere Kategorie “Internet” ein bisschen zu kurz gekommen. Da wir in den letzten Tagen allerdings auf diversen Newsseiten auf den “Nutt Slammer” gestoßen sind, möchten wir die Kategorie nutzen um euch diese – vielleicht – grandiose Erfindung näherzubringen.
Ihr kennt das: Freitagabend ein bisschen tief ins Glas geguckt und dementsprechend leichte Koordinations- oder Kommunikationsprobleme gehabt, mit Glück irgendwie doch noch im Bett gelandet, mindestens ein – in schweren Fällen auch mal zwei – Beine als Anker auf den Fußboden geworfen und anschließend in einen tiefen Alkoholschlaf gefallen. So weit so gut. Richtig schlimm wirds ja bekanntlich erst am nächsten Morgen, wenn der Alkohol sich langsam zurückzieht und der eigene Kopf sich für die totgesoffenen Gehirnzellen rächt. Ergebnis: Kater. Furchtbar. Früher, als die Wiesen noch grün und wir jung und dynamisch waren, konnte so ein bisschen Alkohol keine großen Probleme verursachen. Nach einer erfrischenden kalten Duschsession waren Kopfschmerzen und alle anderen Begleiterscheinungen weggespült und dem Halbmarathon stand nichts mehr im Weg.
Jetzt, wenige Jahre später, kreisen am nächsten Morgen schon gut gelaunte Geier ums Bett, in der Hoffnung, dass die vorgefundene Alkoholleiche die letzte Etappe ins Jenseits auch noch zurücklegt. Ihre Chancen werden mit jedem Jahr besser. Tragisch: Selbst wenn man den Morgen überlebt hat, verschwinden Kater und Anhang noch lange nicht. Die Erholungsphase nach einem ordentlichen Alkohol-Schlag kann mitunter mehrere Tage füllen.
Die eingangs angedeutete Erfindung vom britischen Pharmakologen David Nutt verleiht mir und all den anderen Weicheiern jedoch Hoffnung, dass das Leiden bald ein Ende haben könnte. Der Teufelskerl hats angeblich tatsächlich geschafft, eine alkoholähnliche Droge zu entwickeln, deren Konsum keine der verhassten Folgen hervorruft: Den Nutt Slammer. Seinen Alkohol will Nutt auf der Basis von Benzodiazepinen (Medikamente, mit denen eigentl. nicht zu Spaßen ist!) künstlich herstellen. Nachdem man das Zeug reingeschüttet hat, werden die Konsumenten in einen leicht benebelten, entspannten Zustand versetzt, der durch die Einnahme des zugehörigen Gegenmittels zeitnah wieder beendet werden kann. Stark.
Dementsprechend liegen die Vorteile von Nutts Wundermittelchen auf der Hand: Kein Kater, keine Leberprobleme und nach Einnahme des Gegenmittels kann man sogar wieder autofahren. Alle nennenswerten Probleme der Menschheit wären also auf einen Schlag gelöst …
2012 will Nutt seinen Nutt Slammer auf den Markt bringen. Vorher muss er allerdings noch ca. 10 Millionen Pfund klarmachen, die er zur Durchführung der nötigen klinischen Versuche einplanen muss. Geschmacks- und farblos soll sein künstlicher Alkohol dann mit Säften oder ähnlichen Getränken gemischt verkauft werden.
Aber – bevor die aufkeimende Hoffnung zu groß wird – Haken hat die ganze Kiste natürlich auch. Einige. Vorab sollte man wissen, dass der Entwickler David Nutt bis vor kurzem noch der Drogenbeauftrage der britischen Regierung war. Das Amt musste er niederlegen, nachdem er fachmännisch verkündete, dass Alkohol und Nikotin gefährlicher seien als Cannabis, LSD oder Ecstasy. Fachkompeten? Außerdem ist auch der Nutt Slammer eine Droge, die bei übermäßigem Konsum Abhängigkeit auslösen wird. Weiterhin stellt sich die Frage, ob viele Konsumenten ihren teuer erkauften Rausch tatsächlich durch Einnahme des Gegenmittels beenden, um nach Hause zu fahren. Die Zeit wirds zeigen.
Mindestens bis 2012 müssen wir also auch weiterhin hoffen, dass der selbst provozierte Kater irgendwann wieder verschwindet. Immerhin weiß man so am nächsten morgen trotz Filmriss, dass ausgebenes Geld in Form von Alkohol im eigenen Blut gelandet ist …
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