Einen Film von Quentin Tarantino mit Brad Pitt, Diane Kruger und diversen namhaften deutschen Schauspielern kann man sich eigentlich nicht entgehen lassen!? Doch kann man:
Wie in fast allen Tarantino-Filmen, spielt die eigentliche Handlung auch bei Inglourious Basterds nur eine untergeordnete Rolle und ist deshalb schnell erzählt:
1. Kapitel:
Der “Judenjäger” Hans Landa sucht den Bauernhof einer französischen Familie auf, da er vermutet, dass hier Juden versteckt werden. Nach einem längeren Dialog verrät der Bauer ihm, dass sich die jüdische Familie unter dem Holzfußboden befindet, woraufhin Landa seinen Begleitern befiehlt auf den Fußboden zu schießen. Shoshanna, die Tochter der jüdischen Familie kann fliehen, der Rest wird erschossen.
2. Kapitel:
Die amerikanische Spezialeinheit “Inglourious Basterds” unter Führung von Aldo Raine hat eine deutsche Truppe überfallen, getötet und skalpiert. Ein Soldat überlebt, um den Führer über diesen Vorfall und die Brutalität der Basterds zu informieren.
3. Kapitel:
Die Geschichte von Fredrick Zoller, der als Scharfschütze zum Kriegshelden wurde, ist verfilmt worden. Nachdem er sich in die junge jüdische Kinobesitzerin Shoshanna – die mittlerweile einen anderen Namen trägt – verliebt hat, setzt er durch, dass die Premiere seines Films in Shoshannas Kino stattfinden wird. Da an dieser Premiere viele Nazigrößen teilhaben sollen, bietet sich für Shoshanna endlich die ideale Möglichkeit sich an den Deutschen zu rächen.
4. Kapitel:
Das gleiche Ereignis wollen auch die Basterds mit Unterstüzung eines ehemaligen britischen Filmkritikers und der deutschen Schauspielerin Bridget von Hammersmark nutzen, um das Dritte Reich endgültig zu Fall zu bringen. Um dies zu besprechen, treffen sie sich in einer französischen Kneipe, in der jedoch auch deutsche Soldaten am gleichen Abend feiern. Probleme vorprogrammiert …
5. Kapitel:
Das große Finale in Shoshannas Kino…
Immer wieder verfangen sich die Figuren in endlosen Dialogen, die die Handlung kaum oder gar nicht vorantreiben. Beispielweise werden im vierten Kapitel alle anwesenden Personen in der Kneipe relativ genau dargestellt und ein von den deutschen Soldaten gespieltes Spiel über mehrere Minuten hinweg mitverfolgt, obwohl dies kaum Bezug zur Handlung des Films hat. Diesen Hang zu Einzelheiten und Nebensächlichkeiten kennt man aus fast allen Tarantino-Filmen, bei Inglorious Basterds wirkt ebenjener aber viel mehr störend und nervtötend als faszinierend oder künstlerisch. Weiter übertreibt Tarantino in vielen Szenen mit massivem Einsatz von Gewalt und Blut. So tötet beispielsweise der “Bärenjude” – ein Mitglied der Inglourious Basterds – einen deutschen Soldaten mit einem Baseballschläger, außerdem wird immer wieder dargestellt, wie die Basterds ihre Opfer skalpieren. Auf die Spitze getrieben wird die gezeigte Brutalität jedoch ebenfalls erst im letzten Kapitel …
Darüber ob Filme über historische Begebenheiten auch inhaltlich den als Vorlage dienenden Ereignissen entsprechen müssen kann man streiten. Im Fall von Inglourious Basterds muss aber festgehalten werden, dass die Historie um das Dritte Reich hier bestenfalls als Grundgerüst dient, die tatsächlichen historischen Ereignisse und Begebenheiten jedoch weitestgehend außer Acht gelassen werden.
Bei all der Kritik müssen wir aber erwähnen, dass Tarantinos hervorragende Fähigkeiten grandiose Charaktere auszuarbeiten und diese über einen gesamten Film hinweg immer genauer und konsequenter zu zeichnen, viele aufgezeigte Defizite des Films ausgleichen kann. Figuren wie Aldo Raine oder Hans Landa kann nur Tarantino in dieser Qualität entwickeln… Wobei auch festzuhalten ist, dass die Schauspieler diese Rollen perfekt interpretiert haben und dass mit diesem Hintergrund jede Nominierung für irgendeinen Filmpreis absolut gerechtfertigt ist.
Trotzdem möchten wir euch “Inglourious Basterds” nicht empfehlen. Es gibt unzählige bessere Möglichkeiten 154 Minuten seines Lebens zu verbringen, viele davon findet ihr schon auf dailyrate.de
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